Pressemitteilung, 24.03.2015
Stadt von Unten - selbstverwaltet und kommunal
Berlin/Dragonerareal:
Haushaltsausschuss des Bundestages stimmt über Verkauf ab.
- Dragonerareal ist nicht entbehrlich!
Am
25.03.2014 ab 14:00 stimmt der Haushaltsausschuss des
Bundestages über den Verkauf des 4,7 ha großen
Dragonerareals ab, der geschlossene Kaufvertrag steht unter
Vorbehalt, noch kann der Ausschuss ohne Verluste den
Rücktritt vom Verkauf beschließen, lediglich die
Einwilligung zum Kaufvertrag muß verwehrt werden.
Schon
jetzt ist der gemachte „Deal“ höchst spekulativ, der sich
als „Investor“ generierende Berliner Projektentwickler Arne
Piepgras hielt hierzu mit der Stattbad Wedding GmbH das
höchste Gebot und ging mit Konzepten hausieren die nie
verwirklicht werden. Sein Gebot wurde mit Abschluss des
vorläufigen Kaufvertrags direkt an die „Dragonerhöfe“
weitergegeben, dahinter steckt ein international agierendes
Investorenkonsortium.
Schon
einmal wurde ein solcher Kaufvertrag zum Dragonerareal
aufgehoben, es wäre also nicht das erste mal, dass die
Entscheidung der BImA rückgängig gemacht wird, begründet
wurde dies damals mit den Entwicklungsvorstellungen des
Bezirks Kreuzberg. Auch jetzt gibt es diese anderen
Planungsvorstellungen des Bezirks. Ein neuer
Aufstellungsbeschluss, der in der Festlegung eines neuen
Bebauungsplans münden soll, ist aktuell im Verfahren. Es
kann angezweifelt werden, dass die Bundestagsabgeordneten
ausreichend von der BImA über die veränderte Situation vor
Ort aufgeklärt wurden. Der Aufstellungsbeschluss des Bezirks
zeigt, dass die Interessen weit über den Erhalt des
LPG-Biomarktes und ein paar bezahlbare Wohnungen als
Feigenblatt hinausgehen.
Die
Kreuzberger Mischung hatte sich bereits am Abend des
23.03.2015 versammelt um zu zeigen was sie von den
Verkaufsplänen hält. Der Gemeindesaal der Christus-Kirche
war voll, etwa 100 Anwohnerinnen und Anwohner haben sich bei
einem Nachbarschaftstreffen zum Dragonerareal mit Verweis
auf die Entwicklungen im Kiez eindeutig gegen den Verkauf
des Geländes positioniert.
Ist
das Dragoner-Areal entbehrlich?
Als Vorraussetzung des
Verkaufs ist durch die BImA festzustellen ob Liegenschaften zur
Erfüllung von Aufgaben des Bundes in absehbarer Zeit
benötigt werden, denn in diesem Falle besteht ein
Veräußerungsverbot gem. § 63 Abs. 2 Bundeshaushaltsordnung.
Im Falle des Dragoner-Areals ist diese Frage schlichtweg zu
verneinen, diese Immobilie ist nicht entbehrlich.
Bundesbauministerin
Barbara
Hendricks gründete im September 2014 als Reaktion auf den
angespannten Wohnungsmarkt, besonders in Metropolenregionen,
das sogenannte Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen in
diesem streben die Bündnispartner unter anderem die Deckung
des Wohnungsbedarfs durch Neubau an. Dies ist eine mehr als
eindeutige Anzeige eines Liegenschaftsbedarfs durch die
Bundesbauministerin. Zu dem verlangte sie Vorzugspreise für
kommunale und genossenschaftliche Kaufinteressenten. (FAZ,
30.09.2014)
Zum
Hintergrund: Der Bund unterstützt Maßnahmen zum sozialen
Wohnungsbau mit derzeit 518,2 Millionen Euro im Jahr. In den
letzten Jahren gab es nach Angaben des Bundesamts für
Bauwesen und Raumordnung eine deutliche Verringerung der
Sozialwohnungen. (SPD, 10.Juli 2014)
Wurde
das Erwerbsinteresse des Landes ausreichend geprüft?
„Bevor
eine Liegenschaft auf dem freien Grundstücksmarkt angeboten
wird, werden eventuelle Erwerbsabsichten des Landes oder der
Belegenheitsgemeinde zur unmittelbaren Durchführung der
ihnen obliegenden Aufgaben vorrangig berücksichtigt.“
Eine
vorrangige Berücksichtigung des Landes und der Bezirke
wurden im Fall des Dragoner-Areal nicht ausreichend geprüft
und in Erwägung gezogen. Das Berliner Abgeordnetenhaus
sprach sich für den Verkauf an das Land und für den Abbruch
des Höchstpreisverfahrens aus, betont wurde die
Wohnungspolitische Bedeutung dieses zentralen Areals (Die
Welt, 13.11.2014). Die Angebote der landeseigenen
Wohnungsbaugesellschaften wurden abgelehnt. Mindestens zwei
Wohnungsbaugesellschaften beteiligten sich am
Bieterverfahren, waren hier jedoch den spekulativen Preisen
erlegen.
Wo
ist die Wertermittlung?
„Ein Verkauf auf der Grundlage
einer Wertermittlung findet regelmäßig dann statt,
wenn vorrangige Erwerbsinteressen eines Landes oder einer
Kommune zu berücksichtigen sind.“
Im Falle
des Dragoner-Areal gab es keine Wertgutachten, die
Ermittlung des vollen Verkehrswert bestand aus der Abfrage
des Marktes, eine förmliche Wertermittlung kann aber auch
nach den Vorschriften der Wertermittlungsverordnung und den
dazu ergangenen Richtlinien ermittelt werden. Ein Verkauf
auf der Grundlage einer Wertermittlung findet regelmäßig
dann statt, wenn vorrangige Erwerbsinteressen eines Landes
oder einer Kommune zu berücksichtigen sind.
Das
Erwerbsinteresse des Landes wurde mehr als deutlich
mitgeteilt, selbst im laufenden Höchstpreisverfahren noch,
es drängt sich also die Frage auf: Warum wurde im Falle des
Dragoner-Areal vom Verkauf an das Land Berlin abgesehen?
Das
Bündnis Stadt von Unten stellt fest:
„Die
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben setzt sich über die
eigenen Kriterien zur Verwertung hinweg um kurzfristige
Spekulationsgewinne einzufahren. Sowohl die Bedürfnisse
vor Ort als auch die Interessen des Landes Berlin werden
dabei geflissentlich ignoriert.“
Zu guter
letzt erlauben wir uns noch den Hinweis auf die laufende
Ausstellung im Rathaus Kreuzerg unter dem Titel „Projekt
X-Berg, kollektive Perspektiven.“. Die Ausstellung hat als
einen Schwerpunkt die Auseinandersetzung mit dem
Dragonerareal.
http://stadtvonunten.de/ausstellung-projekt-x-berg-kollektive-perspektiven-bis-26-03-2015/
Link zum Aufstellungsbeschluss:
http://stadtvonunten.de/wp-content/uploads/2015/02/DS1363_VzK_DragonerarealfuersozialenWohnunsbau3.pdf
FAZ, 30.09.2014, Ganz große Koalition für
billige Bundeimmobilien
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bima-ganz-grosse-koalition-fuer-billige-bundesimmobilien-13182976-p2.html
SPD, 10.07.2014, Bündnis für bezahlbares Wohnen
und Bauen
http://www.spd.de/aktuelles/121916/20140710_buendnis_fuer_bezahlbares_wohnen.html
Die Welt, 13.11.2014, Bund lehnt ab
http://www.welt.de/regionales/berlin/article134311106/Bund-lehnt-ab.html
Merkblatt Verwertung, Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben
http://stadtvonunten.de/wp-content/uploads/2015/03/Merkblatt_Verwertung_März-2009.pdf
Tagesordnung des Haushaltsausschuss vom
25.03.2014
https://www.bundestag.de/blob/365884/5b4186c14e874d343d4c6a68c0c7ec4d/043-data.pdf
stadtvonunten.de
info@stadtvonunten.de
http://change.org/bima