Wohnungspolitik wird auf der
Straße gemacht – jetzt erst recht!
Andrej Holm ist als
Staatssekretär bauen zurückgetreten – oder
wurde vielmehr zurückgetreten. Mit diesem
Newsletter wollen wir unsere Position in der
Debatte und unsere Aktivitäten dazu in den
letzten Wochen zusammenfassen. Außerdem laden
wir euch alle herzlich zur Kundgebunggegen
die Entlassung Andrej Holms heute Abend, 19
Uhr, vor dem Gorki Theater, Hinter dem
Gießhaus 2, ein. Wer Lust hat, ist auch auf
der Diskussionsveranstaltung, zu der Andrej
Holm eingeladen
hat, davor um 18 Uhr
ins ExRotaprint, Gottschedstr.4, willkommen.
Vor zwei Monaten, im November 2016,
hat die rot-rot-grüne Koalition einen
Kurswechsel in der Wohnungspolitik versprochen: „Bezahlbares
Wohnen für alle“ soll das
neue Ziel sein, das u.a. mit einem
Privatisierungsstopp, zusätzlichen städtischen
Wohnungen, der Einführung einer „politischen
Miete“ im sozialen Wohnungsbau oder der
Unterstützung von Modellprojekten für eine
soziale Stadtentwicklung erreicht werden soll.
Andrej Holm hat sich dazu
entschlossen, diesen Kurswechsel als
Staatssekretär in der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung zu unterstützen. Die Berufung
eines renommierten kritischen Stadtforschers und
Aktivisten aus der stadtpolitischen Bewegung
sollte zeigen: Die Koalition meint es ernst mit
ihren Versprechen.
Nach einer wochenlangen
Schlammschlacht, bei der Andrejs
Stasi-Vergangenheit, aber auch seine Nähe zur
radikalen Linken im Mittelpunkt standen, hat der
Regierende Bürgermeister Müller am Samstag seine
Entlassung gefordert. Mit
seiner Erklärung hat Müller offenbart: Bei
den Stasi-Vorwürfen geht es nicht um Fakten –
sonst hätte er, wie zuvor angekündigt, die
Ergebnisse der arbeitsrechtlichen Untersuchung
an der HU Berlin abgewartet. Es geht um etwas
Anderes: Andrej Holm soll entlassen werden, weil
er in seiner Rolle als wohnungspolitischer
Staatssekretär „polarisiert“.
Von Beginn an haben die SPD und die
Grünen Andrej Holm – und damit einer sozialen
Wohnungspolitik – den Rückhalt versagt. Die
Debatte um Andrej Holm war von Beginn an einer Richtungsauseinandersetzung
um die Ausrichtung der Bau-, Wohnungs- und
Stadtentwicklungspolitik.
Gemeinsam mit anderen Initiativen
hat Stadt von unten die Kampagne #holmbleibt
initiiert, um in diese
Richtungsauseinandersetzung einzugreifen. Mehr
als 16.000 Unterzeichner*innen haben die
entsprechende Petition unterstützt. Dass
Andrej nicht gleich nach der ersten
Senatssitzung auf Betreiben der SPD und der
Grünen fallen gelassen wurde, ist auch ein
Erfolg dieses öffentlichen Drucks von unten.
Andrej Holms erzwungener Rücktritt
ist ein Rückschlag im Kampf um eine soziale
Wohnungs- und Stadtpolitik. Für uns als
Initiative Stadt von unten bedeutet das
zweierlei:
Erstens hat eine Koalition, die
nicht einmal eine Personalentscheidung gegen
Angriffe von rechts, von der Immobilienlobby und
aus den eigenen Reihen durchsetzen kann, hat
ihre Glaubwürdigkeit verloren. Die SPD, die
GRÜNEN und die LINKEN tragen hier gleichermaßen
Verantwortung. Keine der drei Parteien hat sich
als Partnerin für eine soziale Wohnungs- und
Stadtpolitik erwiesen. Rot-rot-grün muss jetzt
zeigen, ob sie zumindest die in der
Koalitionsvereinbarung geleisteten Versprechen
erfüllt.
Zweitens wurde noch einmal
ganz deutlich, dass der Kampf um eine
Wohnungs- und Stadtpolitik im Interesse der
Mieter*innen und der Marginalisierten
weiterhin auf der Straße stattfinden muss. Es
gilt jetzt, durch die außerparlamentarische
Arbeit der Initiativen den Druck von unten zu
erhöhen. Andrej hat in den letzten Jahren als
kritischer Stadtforscher und Aktivist seinen
Beitrag dazu geleistet. Wir heißen ihn dabei
willkommen, das weiter zu tun.